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Team | 14.09.2020, von Mats Kubiak

Vom Studi-Raum zum Studio

Über die Anfänge von g31

Grober, rauer Beton. Eine Fassade wie von Häusern aus den 1950er Jahren, die heute an Stelle der im Krieg zerstörten Altbauten die historischen Innenstädte verschandeln. Im Inneren flackert kaltes, grelles Neonlicht aus Leuchtstoffröhren. Jeder, der einmal in den Genuss kommen durfte, den Campus Golzheim der Hochschule Düsseldorf aus nächster Nähe kennenzulernen, ahnt vielleicht, dass es sich bei meiner Beschreibung nicht um ein Hochsicherheitsgefängnisses handelt, sondern um das Gebäude des Fachbereich Design der »HSD« an ihrem alten Standort. Der Campus war ein beige-brauner Unort mit dem typischen Charme behördlicher Institutionen. Bestens geeignet also, um jegliches kreative Arbeiten zu unterbinden. Unter diesen nicht gerade Bauhaus-ähnlichen Ausgangsbedingungen haben wir drei Gründer von g31 uns im Kommunikationsdesignstudium kennengelernt.

Einige Semester konnte ich das Arbeiten in dem oben beschriebenen Bauwerk aushalten, spätestens aber zum Ende des Studiums wurde mir klar: Wenn ich eine herausragende Abschlussarbeit schaffen wollte, musste das außerhalb dieser Räumlichkeiten vonstatten gehen. Ansonsten würde die triste Stimmung des Gebäudes noch auf meine Arbeit überspringen. Also mietete ich mir ein kleines, schönes Ladenlokal im wunderbaren Stadtteil Unterbilk. Hier gab es neben der Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen, auch reichlich Tageslicht und Austausch mit der umliegenden Nachbarschaft – nicht zuletzt wegen der riesigen Glasfront des Ladenlokals. Die Miete betrug anfangs 450,00 Euro. Das überstieg damals deutlich das Budget für einen Arbeitsplatz außerhalb der eigenen vier Wände. Daher stattete ich den Raum mit ein paar Schreibtischen aus, vermietete die Arbeitsplätze an Kommilitonen und teilte mir so mit ihnen die Kosten.

g31 Büro Düsseldorf 2015 Interior
Spartanische Ausstattung der studentischen Bürogemeinschaft, 2015

Nach wechselnder Belegschaft saßen irgendwann auch meine Freunde – die beiden g31-Mitgründer Marc und Paul – in diesem Arbeitsraum. Mit der Zeit haben wir dann immer weniger studentische und immer mehr kommerzielle Projekte realisiert – damals noch als loser Verbund von Freiberuflern. Ein Stück weit haben wir unsere damaligen Prinzipien in unser professionelles Leben überführt: Unsere Büros funktionieren heute noch wie Co-Working Spaces, in denen spezialisierte FreiberuflerInnen gemeinsam mit uns oder solo für sich an der Entwicklung von Kommunikationsdesign-Lösungen arbeiten. Dank dieses flexiblen Netzwerks können wir heute so umfangreiche Aufträge bewältigen.

Eine Angewohnheit, die wir ebenfalls aus unserem studentischen Arbeiten in die professionelle Welt überführt haben, ist, unsere aktuellen Entwürfe an unsere Bürowände zu heften, um den Überblick über laufenden Projekte zu behalten. Ein Nachbar wurde daraufhin neugierig und bat um ein Gespräch zum Kennenlernen. Wie sich herausstellen sollte, war er Geschäftsführer eines mittelständischen IT-Anbieters (ELEMENTS) und gerade auf der Suche nach einer neuen Agentur. Aus diesem Termin ging dann unser erster gemeinsamer Auftrag als »g31« hervor. Wir waren nun verantwortlich für die Entwicklung eines umfassenden neuen Markenauftritts – von der Markenstrategie über ein Designsystem bis hin zur Unternehmenswebsite und einem Messestand. Für uns war dieses Projekt der Türöffner für alle weiteren Aufträge. Von hier aus konnten wir potenziellen AuftraggeberInnen glaubwürdig vermitteln, dass wir Markenkommunikation ganzheitlich auf hohem Niveau und medienübergreifend entwickeln können.

»Wir merkten schnell: es braucht nicht die rigiden Strukturen eines großen Agenturapparates, um zu guten Ergebnissen zu gelangen.«

Gleichzeitig gewannen auch wir selbst mehr Vertrauen in unsere Fähigkeiten, was man zu Beginn der eigenen Selbstständigkeit ja durchaus gebrauchen kann. Wir merkten schnell: es braucht gar nicht die rigiden Strukturen eines großen Agenturapparates, um zu guten Ergebnissen zu gelangen. Zeit, Geld und Energie gehen bei uns nicht in aufgeblähten Prozessen und Kommunikationsschleifen verloren, sondern fließen direkt in die eigentliche Arbeit. Außerdem erhalten wir so die produktive Reibung zwischen AuftraggeberInnen und GestalterInnen. Das führt zu befriedigenderen Ergebnissen auf beiden Seiten und spart jede Menge Frust durch vermeidbare Komplexität.

g31 Büro Düsseldorf 2018
g31 Büro mit sipgate Entwürfen an den Wänden, 2018

Wir haben uns daher bewusst dafür entschieden, dass wir als Agentur klein, agil und flexibel bleiben wollen. Bis heute haben wir keine festangestellten MitarbeiterInnen, sondern arbeiten ausschließlich projektorientiert mit einem herausragenden Netzwerk an FreiberuflerInnen zusammen. So stellen wir für jeden Auftrag ein perfektes Team aus spezialisierten ExpertInnen zusammen – passend zu den jeweiligen Anforderungen. Diese Art der Kollaboration sorgt nicht nur für effizientere Teams, sondern auch für flache Hierarchien und Unabhängigkeit. Kein Teammitglied muss sich vor anderen profilieren, kein Kostenapparat durch vermeintlich unattraktive Aufträge getragen werden. Und damit bei allen Beteiligten der Spaß an der Arbeit nicht auf der Strecke bleibt, arbeiten wir nur mit und für Menschen, die wir mögen und an Projekten, die wir sinnvoll finden.

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